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Franz Wilhelm Bauer

Die Rauchgiftfalle

Die heimliche Angst der Raucher vor dem Nichtrauchen

Paperback 120 Seiten

€ 11,90 (D) | € 12,30 (A) | CHF 21,30

ISBN  3-8334-3945-9

Books on Demand, Norderstedt

 

T-Online: Wieso hat der Raucher Angst vor dem Nichtrauchen?

Franz W. Bauer: Weil Nikotin im Gehirn Reaktionen auslöst, die genau so ablaufen wie bei existentiell wichtigen Vorgängen wie Hunger oder Durst. Das getäuschte Gehirn signalisiert dem Organismus: "Ich brauche jetzt wieder Nikotin - und zwar bitte schnell!" Raucherinnen und Raucher greifen in diesem Augenblick zur Zigarette und merken meist gar nicht, dass sie auf einen unbewussten Angst-Stress-Impuls reagieren.

 

T-Online: Wie merkt der Raucher, dass er in der Rauchgiftfalle sitzt?

Franz W. Bauer: Unaufgeklärte Raucher merken es gar nicht. Wer mit der Sucht Schluss machen will und erlebt, dass das gar nicht so einfach ist, kann am besten erkennen, wie sehr er gefangen ist.

 

T-Online: Was war der Anlass für Sie, mit dem Rauchen aufzuhören?

Franz W. Bauer: Eine spürbar fortschreitende Verschlechterung meines Gesundheitszustands und dann die Diagnose COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease: chronischer Lungenschaden, Anmerkung der Redaktion)

 

T-Online: Sie sprechen vom "Täuschungsmonster Nikotin". Was verstehen Sie darunter?

Franz W. Bauer: Nikotin täuscht die Intelligenz und das Gefühlsleben der Raucherinnen und Raucher. Sie können nicht mehr wahrnehmen, dass sie sich mit einem ungemein gefährlichen Nervengift schaden, sondern glauben tatsächlich, sich damit etwas Gutes zu tun. Sie werden durch das Suchgift Nikotin, das sie sich selbst zuführen, manipuliert und merken es nicht!

 

T-Online: Welches ist die beste Methode mit dem Rauchen aufzuhören?

Franz W. Bauer: Es braucht größtmögliches Wissen und Verständnis dafür, was man sich allein durch die Nikotinaufnahme antut. Von den übrigen krankmachenden Giften des Tabakrauchs brauchen wir dabei gar nicht zu reden. Wer die Manipulation seines Gehirns, seiner Gedanken und Gefühle durch dieses Suchtgift durchschaut, hat es leicht, einfach ab sofort keine Zigarette mehr anzurühren. Dann heißt es: Schluss und aus - und es bleibt dabei.

 

T-Online: Was halten Sie von der so genannten Nikotinersatztherapie mit Kaugummis und Inhalatoren?

Franz W. Bauer: Nichts. Es handelt sich ja nicht um "Nikotinersatz" sondern um pures Nikotin - bloß in anderer Form. Die Sucht wird damit bloß verlängert und irgendwann muss man ja, wenn man die Abhängigkeit beenden will, auch damit aufhören.

 

T-Online: Sie sprechen in Ihrem Buch vom "Entzugsmärchen" – wieso?

Franz W. Bauer: Weil es keinen "Entzug" gibt. Dem Körper wird ja nichts entzogen - schon gar nichts Wertvolles! Er baut das Gift permanent ab - würde er das nicht tun, wären wir am Ende unseres ersten Rauchertages tot. Die "Erscheinungen" sind bloße Angsterscheinungen des Organismus, die sofort aufhören, wenn sie als solche durchschaut werden.

 

T-Online: Ihr Tipp an alle, die es geschafft haben, sich von der Kippe zu verabschieden: Wie bleiben sie dauerhaft Nichtraucher?

Franz W. Bauer: Indem sie aufhören sich vorzumachen, Rauchen wäre positiv. Sehen Sie es als das, was es ist: Ein Milliardengeschäft, das mit der Unerfahrenheit junger Menschen beginnt und millionenfach mit Krankheit und frühzeitigem Tod endet. Freuen Sie sich, frei zu sein. Freuen Sie sich über Ihre klare Bewusstheit und Ihr Gefühlsleben. So werden und bleiben Sie Nichtraucherin oder Nichtraucher - wie Sie es gewesen sind, bevor Sie in die Rauchgiftfalle gerieten.

 

http://www2.onleben.t-online.de/dyn/c/80/32/00/8032008,tid=print,pt=print.html (Link nicht mehr gültig - Anm. 4.12.07)

 

 

C6 MAGAZIN:

 

Franz Wilhelm Bauer erzählt in seinem Buch lebendig und bisweilen mit einem Hauch Ironie über sein Raucherleben. Die Loslösung von seiner Sucht machte ihm bewusst, dass auch andere vom Rauchen loskommen wollen, es mit den gängigen Mitteln jedoch nicht schafften. Als Therapeut und Lebensberater konnte er auf eine breite Basis an Wissen zurückgreifen und auch anderen Aufhörwilligen unterstützend zur Seite stehen.

 

Im Interview mit dem Autor der „Rauchgiftfalle“ konnte das C6 MAGAZIN auf den Inhalt des Buchs eingehen und Franz Wilhelm Bauer zu weiteren Aspekten des Rauchens befragen. Wir erfahren wie er das Rauchen einschätzt, was er von Prävention hält und welche Maßnahmen er einleiten würde.

 

C6 MAGAZIN: Wie kamen Sie dazu, dieses Buch zu schreiben? Was motivierte Sie?

Franz Wilhelm Bauer: Zuerst einmal war ich sehr betroffen, als ich erkennen musste, dass ich mir durch meinen jahrelangen Rauchkonsum einen irreversiblen Lungenschaden zugefügt hatte. Ich informierte mich dann im Internet und las mehrere Bücher über die Nikotinsucht. Ich klärte damit meine jahrelangen Irrtümer und Einbildungen in Bezug auf das Rauchen auf und entdeckte, dass die Angst der Raucher vor dem Nichtrauchen das zwanghafte Weiterrauchen bewirkt und das Aufhören so verdammt schwer macht. Ich konnte diese Angst deutlich spüren. Als mir klar wurde, wie der biologische Suchtmechanismus funktioniert, nämlich mit einer argen Manipulation meines Gehirns und meiner Gefühle durch das Nikotin, hörte ich sofort zu rauchen auf.

 

C6 MAGAZIN: Sie sprechen davon, dass "Genussraucher" sich etwas vormachen – liegt das Ihrer Meinung nach nur an den physiologischen Vorgängen oder liegt es auch daran, dass man es ignoriert und für sich ausschließt?

Franz Wilhelm Bauer: Wer glaubt, Rauchen wäre ein Genuss, hat vergessen, wie eklig die ersten Züge aus einer Zigarette waren und man sich zwingen musste, den Rauch einzuatmen. Nikotin bewirkt sehr schnell eine Veränderung der normalen, gesunden Wahrnehmung und Raucher glauben dann tatsächlich, Rauchen wäre gut. Die physiologischen Vorgänge wirken voll unbewusst und das ist das Erschreckende an der Rauchsucht. Das Ignorieren von Warnungen gehört dazu - die Angst vor dem Nichtrauchen hat die Raucher - unbewusst - voll im Griff. Sie rauchen zwanghaft und merken es nicht. Sie glauben ganz fest, Rauchen wäre toll und gut, und rauchen oft auch dann noch weiter, wenn sie schon mit Lungenkrebs im Spital liegen. Es ist ein Zeichen für die Macht der Sucht, wenn Raucher meinen, „mir passiert das nicht“.

 

C6 MAGAZIN: In einem Kapitel ist von dem "Entzugsmärchen" zu lesen. Warum meinen Sie, dass es vielen Menschen so schwer fällt, von der Sucht loszukommen? Sind sie zu schwach und zu faul, sich mit ihrer Sucht auseinanderzusetzen?

Franz Wilhelm Bauer: Der Körper baut das Nikotin, das ein Gift ist, ununterbrochen ab. Der Abbau erzeugt ein Mangelgefühl (die "heimliche Angst"), und Raucher greifen automatisch zur Zigarette. Das Einatmen von Rauch erzeugt ein Belohnungsgefühl und den Glauben, Rauchen wäre gut. Der Körper baut das Nikotin sofort wieder ab, wieder entsteht das Mangelgefühl und so weiter. Es wird dem Körper nichts entzogen, weil doch niemand einen Verlust erleidet, wenn der Körper Giftmüll und sonstigen Abfall ausscheidet. Also gibt es auch keine Entzugserscheinungen. Was es gibt, sind eben jene Angsterscheinungen, die üblicherweise gar nicht bewusst werden, weil man sich sofort eine Zigarette anzündet, bevor das Unbehagen stark spürbar wird. Beim endgültigen Aufhören meldet das vom Nikotin getäuschte Gehirn wie immer: Schnell, ich brauche Nikotin - und jetzt bekommt es nichts mehr! Huh! Körper und Psyche reagieren mit Angst, weil das getäuschte Gehirn irrtümlich "glaubt", Nikotin zum Überleben zu brauchen.

 

Wer weiß, wie das abläuft, greift jetzt nicht wieder zwanghaft zur Zigarette, sondern lässt das Angstgefühl einfach vergehen - es vergeht nämlich ganz von selbst, wenn man es erkennt und ihm nicht nachgibt. Es ist wichtig, genau zu wissen, was da passiert, denn wenn man glaubt, es würde dem Organismus etwas "entzogen", verstärkt sich das Gefühl des Mangels und des Verlusts und es wird echt schwer, damit zu kämpfen und zu siegen. Wer die Angst entlarvt hat, braucht sich nicht mehr zu fürchten und kann ganz gelassen zuschauen, wie die Impulse mit jedem Tag schwächer werden, wie sie kommen und gehen und eines Tages ganz verschwunden sind. Niemand ist dazu zu schwach oder zu dumm - zu faul vielleicht aber schon. Man kann sich aber doch entscheiden, ein sportlicher Typ zu sein oder zu werden, seine Intelligenz clever zu nützen oder als Couch-Potatoe doof und willenlos herumzuhängen, oder?

 

C6 MAGAZIN: Welche Maßnahmen würden Sie einleiten, wenn Sie politisch etwas zu sagen hätten, um Menschen vom Rauchen abzuhalten, vor allem Jugendliche und Kinder?

Franz Wilhelm Bauer: Erstens: Absolutes Verbot jeder Werbung und jeder PR-Aktivität für Tabakerzeugnisse. Zweitens: Gute, anschauliche Aufklärung über den biologischen Suchtvorgang. Das gibt es leider bislang nirgendwo und nur auf die Gefahren hinzuweisen ist zu wenig. Drittens: Rauchverbot in der Öffentlichkeit.

 

C6 MAGAZIN: Mit welcher Droge würden Sie die Nikotinsucht gleichstellen? Der Präsident von Uruguay stellt sie auf die gleich Ebene wie Heroin und Kokain - meinen Sie, dass das übertrieben ist?

Franz Wilhelm Bauer: Der Vergleich ist zutreffend, auch wenn das schwer verständlich ist. Es gibt viel mehr Nikotinabhängige als Kokain- oder Heroinabhängige. Letztere Suchtgifte haben spektakulärere, sofort merkbare Auswirkungen, während Nikotin über Jahre hinweg heimlich und schleichend zerstörerisch wirkt und daher ist es in meinen Augen sogar gefährlicher als Heroin oder Kokain.

 

C6 MAGAZIN: Wieso denken Sie, dass die Rauchsucht gesellschaftlich immer noch so anerkannt ist? Und was sollte man Ihrer Ansicht nach dagegen unternehmen?

Franz Wilhelm Bauer: 500 Jahre lang hat man geglaubt, Rauchen wäre ein Genuss. Bis sich die Wahrheit über die Rauchsucht durchsetzt, braucht es seine Zeit. Ich denke, man kann nichts "dagegen" unternehmen, bloß "dafür". Nämlich dafür, dass wir nicht dumm und dämlich glauben, Rauchen wäre toll und cool und ein Genuss, sondern dass wir erkennen, welch schädlicher, zwanghafter Schwachsinn es ist. Ich hoffe, dass mein Buch etwas dazu beiträgt.

 

C6 MAGAZIN: Vielen Dank für das Gespräch!

Brigita Bosotin

Artikel vom 19. März 2006

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